Mindestenssechszeichen...keine Panik!

Es brennt!

16. August 2015 von Yhoko
Auch wenn sich keiner einen Hausbrand wünscht, ist der Gedanke doch interessant, wie man in so einer Situation reagieren würde. Diese Neugier konnte ich heute (leider) befriedigen.
Man (also ich) macht sich ja doch auch mal Gedanken darüber, wie das so wäre, wenn das Haus brannte. Was wäre zu tun, was müsste gerettet werden, welche Fluchtwege stünden zur Verfügung? Mein Notfallplan sah in etwa folgendermassen aus:
1) Taya in den Katzenkorb sperren und vor die Tür stellen.
2) Schatulle mit Andenken, Handy und Geldbörse,
3) RPG-Unterlagen, Drachenfigur und Bilder mitnehmen.
4) Alle Kabel vom Game-PC trennen und den Tower ebenfalls mitnehmen.
Diese Liste würde so weit abgearbeitet, bis keine Zeit mehr zur Verfügung stünde, und sollte dies bis dahin nicht eingetroffen sein, käme noch alles in eine Kiste, was mir beim Durchblicken der Wohnung gerade wichtig erschiene. So viel zur Theorie.





Heute schlug die Realität zu und forderte mit einem Hausbrand, den Plan in die Tat umzusetzen – und er scheiterte grandios am ersten Punkt. Nach der Japan-Reise hatten wir offenbar den Drang, das Katzenkörbchen in den Keller zu verfrachten (schliesslich braucht man es sonst ja nie). Aber eins nach dem anderen; es ging nämlich schon etwas früher los.

Als erstes hörten wir ein Poltern im Treppenhaus, was gar nicht so unüblich ist am Wochenende, wenn die Kinder bei der Nachbarin auf Besuch sind. Dann ein kurzes Sturmklingeln, was uns auch nicht aus der Ruhe brachte; gingen wir doch von einem Jux aus. Aus Neugier und weil es womöglich etwas zu sehen gab, ging ich auf den Balkon und hielt den Rauch zunächst für ein Feuerwerk – ein dumpfer Knall aus undefinierbarer Richtung bestätigte diesen Eindruck und unten waren ein paar Leute versammelt. Schnell wurde jedoch klar, woher der Rauch stammte (aus der Wohnung unter uns) und die Nachbarn riefen von unten "Es brennt!". Damit war die Situation klar, allerdings waren keine Flammen sondern nur Rauch zu sehen. Ich schaltete innerlich auf "gemässigten Notfall" und informierte in wenigen Sekunden meine Freundin. Mein nächster Gedanke galt der Katze, doch das Körbchen liess sich nicht auffinden – und damit kam die erste Aufregung. Hektisch suchte ich die Wohnung ab, hörte auch schon die Sirenen der Feuerwehr und bald waren bereits einige der tapferen Männer im Treppenhaus. Man solle herauskommen und die Haustiere mitnehmen – die Schlange jedoch könne ruhig im Terrarium bleiben. Alle Türen und Fenster bis auf jenes bei der Schlange sollen ausserdem geschlossen werden. Deren professionelle Gelassenheit und die Tatsache, dass weiterhin keine Flammen zu sehen waren, bestätigte meinen innerlichen Verdacht, dass es kein allzu grosses Feuer sein konnte. Rasch zog ich mich etwas wärmer an, denn draussen war es kühl und regnerisch, dann sperrten wir Taya mangels Alternativen in eine Kiste, die sich kurzerhand leeren liess, ich steckte noch eben das Handy ein und so gingen wir aus dem Haus, wo bereits reger Betrieb herrschte.

Von etwas abseits beobachteten wir eine Hebebühne, wie damit ein Schlauch von aussen ins Schlafzimmer der Nachbarin gereicht wurde und wie bald darauf immer mehr Qualm aus den Fenstern entwich. Taya wollte immer mal wieder aus der Kiste raus, immerhin war es laut und stinkte nach Rauch und Diesel, und wir konnten sie auch nicht ganz schliessen, da sie sonst womöglich erstickt wäre. Beruhigende Streicheleinheiten meinerseits und Fluchtversuche ihrerseits wurden zur Gewohnheit, dann kamen auch noch die Nachbarskinder dazu und wollten die süsse Katze streicheln. Etwas später wurde die Katze der Nachbarin in einem Koffer dahergebracht; ihr Fell war angekokelt aber sie schien es überstanden zu haben. Alle blickten gebannt auf das Haus, während eine andere, freundliche Nachbarin von nebenan uns zu sich einlud, da es mittlerweile regnete. Wir lehnten dankbar ab, störten uns jedoch nicht an dem Regen und wollten lieber das Geschehen vor Ort miterleben. Etwas später tauchte sie erneut auf und verteilte Regenschirme, was uns dann ob des stärkeren Reges doch sehr willkommen war. Es dauerte insgesamt höchstens eine Stunde, dann verschwand der letzte Rauch und eine weitere halbe Stunde später durften wir wieder in unsere Wohnung. Glücklicherweise blieb alles unversehrt, wohingegen bei der Nachbarin unter uns schwarze Wände und Decken zusammen mit Trümmerteilen einen tragischen Eindruck vermittelten. Letztendlich waren wir heilfroh, dass das Feuer es nicht bis zu uns nach oben geschafft hatte.

Am Ende kamen wir mit dem Schrecken (und einem gehörigen Lagerfeuer-Gestank in der Wohnung) davon – ein Hoch auf die Feuerwehr, die doch ab und zu ausrücken und irgendwo in der Gegend etwas löschen muss! Bisher stufte ich es mehrheitlich als Lärmbelästigung ein, aber nun habe ich erlebt, welche emotionale Bedeutung die gelegentlichen Sirenenfahrten mitten in der Nacht und quer durch die Stadt für andere Menschen mit sich bringen können. Ich war auch durchaus beeindruckt, wie schnell und geübt das alles ablief. Es fühlt sich wahrhaft gut an, sich unter diesem Schutz zu wissen.

Als Brandursache wurde übrigens am Ende eine Stromleitung ausgemacht, die ein Tiefkühlgerät Tag und Nacht mit Strom versorgt hatte. Laut Nachbarin war zunächst nur die Sicherung der ganzen Wohnung durchgebrannt, und nachdem sie diese ersetzt hatte, bemerkte sie Rauch in der Wohnung. Ich schätze, dass der Knall, den ich anfangs für ein Feuerwerk hielt, aus dem Tiefkühler kam.





Fazit nach diesem Erlebnis: Der Katzenkorb gehört in die Wohnung, auch wenn er sperrig ist. Zwar hoffe ich nicht, dass es jemals wieder dazu kommen wird, aber falls doch, darf der Notfallplan nicht noch einmal so kläglich scheitern. Zum Schluss bleibt aber die Erkenntnis, dass bei einem Notfall selbst ein kleines Lebewesen wichtiger ist als alles andere.

Nachtrag:
Auch wenn das Feuer schnell überstanden war, ziehen sich seine Schatten noch lange hin. Zweieinhalb Monate um genau zu sein – so lange wird es dauern, bis der Schaden behoben ist und die untere Wohnung wieder bezogen werden kann.
Themen: Allerlei LebenNews

Kommentar

Ronny / 29.08.2015
Ein Notfallkoffer, griffbereit in der Nähe der Wohnungstür wäre mal ne Idee. Und alle wichtigen Papiere und Unterlagen kopieren und nur die Kopien zu Hause lagern, die Originale vllt. in einem Bankschließfach oder Safe oder vllt. in einem Metallkoffer im Keller. Falls dann in der Wohnung wirklich mal was brennt, ist der Schaden bei den Dokumenten verschmerzbar. Und Tiere sind immer so eine Sache. Ich hätte z.B. arge Probleme die Katzen einzufangen, weil die sich mit Vorliebe bei Stress etc. unterm Sofa verkriechen und wir da nicht rankommen im Ernstfall - aber da find ich auch noch ne Lösung. Bei nem 100 Jahre altem Haus kommen einem solche Gedanken des Öfteren mal ^^

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