Pica's Stuff

Spieglein, Spieglein...

Elster, 20.9.18, Etwa viertel vor 12 nachts
So... etwas später als gedacht, berichte ich nun über ein Erlebnis, dass ich Anfang des Monats hatte. Ein Bekannter hat mir angeboten eine Technik der systemischen Strukturaufstellung mit mir durchzugehen, um mir mit meiner großen Frage zu helfen. Ich hoffe ich stelle das nun korrekt dar. Ich weiß, dass er den Blog auch liest, daher bin ich bei der Beschreibung etwas vorsichtig. Die Technik nennt sich Tetralemma-Aufstellung und beschäftigt sich mit der Fragestellung und den verschiedenen Positionen, die von den Antworten, bzw. Möglichkeiten, eingenommen werden.

Im Zuge meiner Frage waren die Position nun wie folgt:
Es gibt das Eine, was sich gefühlstechnisch als mein angeborenes Geschlecht herausstellte (mehr dazu später).
Das Andere, die Gegenposition zum Einen, war dementsprechend mein Körpergefühl, bzw. meine Gefühlsidentität.
Beides, eine Art Superposition, formulierte ich als meinen aktuellen Zustand.
Keines von Beiden, als weitere Möglichkeit in der Aufstellung, verband ich mit dem für mich unzufriedenen Zustand in der Transition stecken zu bleiben, aber auch mit der bevorstehenden Alltagserprobung.
Eine weitere Postion war der Fokus, der für die Fragestellung selbst steht (so habe ich es zumindest verstanden).
Und eine letzte Position das Nichts als eine Art Meta-Position, die außerhalb des Systems steht, stand für eine rationale Sichtweise ohne Gefühle.

Nun waren diese Positionen nicht nur irgendwelche gedankliche Positionen, sondern tatsächliche Orte in einem Raum und je nachdem welche Position ich einnahm erfuhr ich ein anderes Gefühl, wobei die Positionen an sich sehr stabile, wenn auch nicht immer angenehme, Anker im Raum darstellten und der Raum um die Positionen herum sich wie ein leicht fließender Bach anfühlte, der mich in Richtung des Anderen trieb. Es war eine seltsame Erfahrung für mich, wo ich doch im Alltag so wenig Erfahrung mit Gefühlen hatte.

Zwei weitere Aktionen waren zudem unglaublich beeindruckend. Bei der ersten ging ich langsam von dem Einen zum Anderen hin, nur um kurz vorher umgedreht zu werden und zurück zum Einen geschickt zu werden, was mir tatsächlich eine spürbare Enge in der Brust bereitete. Sehr unangenehm.

Die zweite Aktion, in der ich den „Anker“ des Einen nahm und zum Anderen trug und dort im übertragenen Sinne Körper und Gefühl vereinte, also einen Einklang herstellte, war ein völlig anderes Gefühl und eine Erfahrung, die ich fast schon als euphorisch beschreiben möchte. Ein wohliges Gefühl durchfuhr mich, als wäre ich zum ersten Mal in meinem Leben ganz... oder zumindest so ähnlich. Ich weiß wirklich nicht, wie ich es beschreiben soll.

Seit diesem Freitag ist nun einige Zeit vergangen und ich hatte etwas Zeit die Erfahrung zu verdauen, die mir so viel Zuspruch in meine Aktion und meine nächsten Schritte gegeben hat. In dieser Zeit habe ich erkannt, dass das Internet eine großartige Sache ist. Nicht nur ermöglicht es einen Zugriff auf Informationen über mein Problem, sondern auch Zugriff auf Berichte von Personen, die ähnliches durchmachen oder durchgemacht haben. Außerdem ist das Onlineshoppen ein Segen. Es gibt weniger Hemmschwelle beim Durchstöbern möglicher Kleidung, als wenn man in Person nun in die Stadt gehen müsste um dort etwas zu suchen. Auch unter der Gefahr, dass es am Ende nicht passt. Es ist so viel einfacher sich auszutauschen über ein so privates Thema, dass ich sehr dankbar für das Internet bin und natürlich auch denen gegenüber, die ich nach den Kommentaren unter meinem ersten Eintrag kontaktiert habe. Danke noch einmal für die Diskussionen und danke für die Möglichkeit die oben genannte Erfahrung machen zu können.

Soviel erstmal hier zu. Ich hoffe, dass ich Anfang des nächsten Monats nach meinem nächsten Arzttermin wieder etwas schreiben kann und dass ihr weiterhin Interesse an meinem Werdegang habt.

Eure Elster