Mando Bal Aruetii

Hutten und Imperiale

29. April 2016 von Pica
Im Jahr 19 der imperialen Zeitrechnung begann eine sehr seltsame Reise für mich.
Ich bin nun schon eine ganze Weile unterwegs. Ich fliege für eine kleine Gebühr Schiffe von A nach B und versuche über die Runden zu kommen. Nach meinem letzten Auftrag, sitze ich nun auf Tatooine fest, im Dunstkreis eines Hutten names Teemo noch dazu. Vom Imperium ist hier nichts zu sehen, aber trotzdem ist mir nicht wohl dabei.

Teemo ist ein Spieler, weshalb sein gesamter Palast wohl auch eher nach Kasino, als nach Palast aussieht. An der Bar nehme ich mir einen Drink und schlendere durch die große Haupthalle in deren Seitennischen zahlreiche Zwielichtige Gestalten Sabacc oder andere Spiele spielen. Ein Toydarianer mit einer ziemlich dicken Glückssträhne erlangt meine Aufmerksamkeit. Er will vermutlich bald von dieser Staubkugel weg und sucht eine Pilotin. Ich geselle mich zu den zwei Spielenden und bleibe vorerst im Hintergrund. Der Toydarianer ist wie alle von seinem Volk etwas rund, flattert aufgeregt vor dem Sabacc-Tisch und hofft, das der Tisch nicht seine Karten verhunzt. Neben mir steht noch ein Trandoshaner, eine mannshohe Echse von eher grünlicher Färbung, die scheinbar auch recht fasziniert ist.

Das Spiel ist spannend. Der Toydarianer gewinnt Partie um Partie, bis sein menschlicher Gegner schließlich sein Schiff verwettet: einen Frachter der Wayfarer-Klasse. Nicht gerade das, was ich bevorzugen würde, aber im Moment fliege ich alles, was ich kriege. Das Spiel nimmt eine drastische Wendung und ich denke, dass ich ein Flackern auf den Karten der Mitspieler gesehen habe, just ehe der Mensch triumphierend die Arme in die Luft wirft und der Toydarianer etwas missmutig die Nische verlässt.

Aber scheinbar haben wir Aufmerksamkeit auf uns gezogen, da der Majordomus des Hutten, ein Twi'lek, auf uns zukommt und uns etwas nervös zu seinem Herrn bittet, der mit uns reden möchte. Einem Hutten sollte man keine Bitte abschlagen, noch weniger, wenn man direkt in seinem Palast steht. Andererseits könnte ein Hutte ein profitabler Kunde werden, denke ich mir und gehe mit der Fliege und der Echse zu dem Hutten.

Teemo ist weniger beeindruckend als gedacht und ich bin etwas von den Ausführungen seines Majordomus über die Herrlichkeit und den Großmut seines Herrn gelangweilt. Ich halte mich etwas im Hintergrund hinter der Echse und der Fliege, die, wie sich nun herausstellt, mehrere zehntausend Credits Spielschulden bei dem Hutten hat. Ich grinse in mich hinein. Wenn auf die Fliege mal ein Kopfgeld ausgesetzt wird, werde ich es mir holen.

Inmitten der Ausführungen wird ein Mensch zwischen den Schaulustigen und uns zum Hutten gezerrt und durch eine Falltür in eine Grube geworfen, über die sich nun eine Transparistahlplatte schiebt. Erst jetzt erkenne ich den Menschen. Es ist der Gewinner des Sabacc-Spiels. Ich mache mir eine geistige Notiz, nie mit diesem Spiel anzufangen und erst recht nicht zu verlieren. Ich erwarte ein Schauspiel von Gewalt, in dem der Mann von wilden Tieren oder etwas ähnlichem zerrissen wird, aber Teemo ist ein extrem vergnügungssüchtiges Wesen und stellt sich als ebenso dekadent heraus, als er die Grube mit Wasser fluten ließ. Verwundert schaue ich zu, wie der Mann ertrinkt. Ertrunken auf Tatooine... das schaffen nicht viele.

Nach wenigen Minuten ist das Schauspiel vorbei und der Hutte gibt uns einen einfachen Auftrag: Er will alderaanischen Wein. Ich bin verwundert. Alderaanischer Wein ist grauenhaft. Warum sollte man so ein Gesöff haben wollen und dafür auch noch Geld bezahlen. Aber egal. Auftrag ist Auftrag. Teemo bietet uns ein Schiff für die Reise an und eine Bezahlung, wenn wir wiederkommen. Für mich ist es eine Gelegenheit wieder ein Schiff zu fliegen und ich sage zu. Die Echse scheint ein guter Kämpfer zu sein und schließt sich als Leibwache an. Die Fliege hat eher weniger Wahl und nutzt diese Gelegenheit um seine Schulden abzubezahlen.

Im anliegenden Raumhafen betreten wir zum ersten Mal unser neues Schiff, dass uns von nun an begleiten soll. Die Wayfarer-Klasse, die der Mensch im Spiel als Einsatz benutzt hat. Ich mache mich mit den Kontrollen des Schiffes vertraut und nach einiger Zeit starten wir in Richtung Alderaan, denn dort, so der Konsens, erwarten wir am ehesten alderaanischen Wein.

Als sich der Wirbel des Hyperraums erst zu Streifen und dann zu den Pünktchen, die die Sterne sind, verwandelt, als wir in den Realraum zurückfallen, ziehe ich zuerst das schwerfällige Schiff zur Seite um einem Asteroiden auszuweichen. Asteroiden? Um Alderaan? Ich stoppe die Maschinen und nehme mir eine Sternenkarte zur Hand. War ich soweit vom Kurs abgekommen? Mitten in meinen Recherchen riss mich das Gepiepe der Sensoren aus meinen Gedanken und ich hob den Kopf. Ein weißgrauer Keil schob sich hinter einem der entfernteren Asteroiden hervor. Sofort starte ich die Maschinen und drehe in Richtung Sprungmöglichkeit. Noch ehe ich den Blickkontakt zu dem Imperialen Schiff verliere, kann ich vier Kuppeln auf dem Schiff erkennen und ich hoffe, das es nicht das ist wofür ich es halte, ehe ich mit voller Kraft versuche aus dem Asteroidenfeld zu entkommen.

Ich versuche alles, was ich je gelernt habe, aber dieses Schiff ist kein Sternjäger und ein imperialer Interdiktor kein Planet, von dem man einfach nur weit genug weg sein muss. Weitere Punkte zeigen sich auf den Sensoren, die sich uns schnell nähern. Ich rufe der Echse, die auf den Namen Szadrak hört, zu, sie soll das Geschütz bemannen. Aber noch bevor wir uns wirklich zur Wehr setzen können, ermahnt uns ein imperialer Beamter, nicht zu feuern und zum Kreuzer zu fliegen. Missmutig folge ich dem Befehl und rufe den beiden Nicht-menschlichen Crewmitgliedern zu, sie sollen nach Schmuggelabteilen suchen und sich dort verstecken. Zum Glück sind sie nicht mehr zusehen, als ein imperialer Trupp das Schiff betritt und beginnt es zu durchsuchen, während ich gründlich befragt und schließlich in Richtung einer Zelle zum Verhör abgeführt werde.

Wäre ich heute bloß nicht aufgestanden.