Einträge aus dem Jahr 2053"Krypton ist sehr reaktionsträge (...) und besitzt nur abgeschlossene Schalen"

08-Sep-2053 21:26

8. September 2015 von Valkyrie
"Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und einem doch das Kostbarste stehlen: die Zeit."
– Napoleon (*1769 - †1821), französischer General, Diktator und Kaiser
Weil ich so schlecht geschlafen habe bin ich zur Dämmerung noch einmal aufgebrochen und hatte stets Davids Schritte und Bewegungen im Ohr, weil er sein Telefon irgendwo in seinem Haus abgelegt hatte. Doch wenig später meldete er sich über das Telefon bei seinen Arbeitgebern krank und entschuldigte sich, höflich und aufrichtig wie er war, dafür zuhause bleiben zu müssen. Während er aber statt zuhause zu bleiben in sein Auto stieg saß ich im Park eine Straße weiter und borgte mir einen Hybrid-Lexus, um ihm zu folgen - ich kannte sein Kennzeichen auswendig 752-488-025-532 und es fuhr nur zwei Autos vor mir her. Es war das Kraftfahrzeug vom Roten Kreuz und dennoch hätte man es nicht identifizieren können, weil er die Schriftzüge und Logos mit einem hauchdünnen milchig-weißem Etikett überklebt hatte. Was hat der Mistkerl nur vor? , fragte ich mich immer wieder und mit diesem einem Gedanken im Hinterkopf verfolgte ich ihn bis nach Mexiko. Meine Augen stets auf ihn gerichtet und meine Ohren gespitzt bis er auf ein Dorf zu steuerte und ich den Lexus loswurde, um dann mit einem älteren Modell wieder hinein zu fahren. Es war ein hellgrüner Mazda und kein Hybrid, was schon längst verboten war, aber an einem Ort wie diesem wusste ich, dass es nicht auffallen würde. Als ich seinen Wagen wiederfand parkte ich am Waldrand, sperrte ab und klappte die hinteren Sitze nach vorne, um mich dort hinzulegen und einige mit Papier gefüllten Müllsäcke auf mich zu legen: Das war das Fler was in solchem Dorf kein großes Aufsehen erregte. Doch er, es scheint ein Mann zu sein bei dem David sich aufhielt, redete sehr wenig. Den zweiten Tag liege ich nun schon hier – zugegeben, einmal war ich im Laden und habe mich mit Essen zu gedeckt. Auf die Frage wessen Verwandter ich denn sei sagte ich ich habe mich verfahren, aber hätte dennoch großen Hunger. David hatte das Haus bisher nicht einmal verlassen nur sein „Freund“ ist fast den ganzen Tag auf seinem Hof. Früh morgens, als ich eigentlich auf den Müllsäcken gedöst hab, weckte mich der Motor und ich beobachtete wie der Wagen in die Garage gefahren wurde und ein etwas dickerer Mann mit schwarzem Schnauzer und blauer Kappe mit zwei Nummernschildern die Garage wieder verließ. Er tauschte sie also und wie erwartet kam auch David wenig später heraus und fuhr weg. David ist zwar immer noch meine Zielperson, aber es machte keinen Sinn ihn aus einem Auto zu zerren was ihm nicht gehörte und dessen Inhalt auch keine Waffen war. Als auch der dicke Mexikaner den Hof in dem weißen Kraftfahrzeug verließ rief ich einen Kollegen, Cr24, an und bat ihn dem Mexikaner den Weg abzuschneiden, weil meine Tätigkeit lediglich in Amerika ausgezahlt wurde. Selbst die zwei Tage hier im angerosteten Mazda waren eigentlich pure Zeitverschwendung. Ich fuhr mit dem Lexus gemütlich nachhause und ließ ihn an einem Parkplatz vor einem Supermarkt stehen. Dann trampte ich heim.

Eben habe ich die Einkaufstüten ausgeräumt und mich zum Kochen gezwungen. Als ich im Auto lag und mich von Chips und Sandwiches ernährte dachte ich plötzlich an Mutters Lauchsuppe und der Speichel sammelte sich auf meiner Zunge. Ich hatte es versucht, doch meine Suppe war nur halb so gut. Ich weiß, dass ich sie hätte anrufen können, aber was hätte ich denn sagen sollen? „Mom, ich weiß ich bin vor 12 Jahren abgehauen und habe mich nie gemeldet, aber hey, wie wär’s wenn du vorbei kommst und mir eine Lauchsuppe zubereitest?“ Außerdem denken sie sowieso sie hätten mich auf ewig verloren – immerhin haben sie in den letzten 7 Jahren zwei Mal den Wohnort gewechselt. Und alles was ich zu erzählen hatte würden sie ja sowieso nicht hören wollen. Ich wusste ja nicht einmal was ein Brief über mein derzeitiges Leben aussagen könnte, außer dass ich in Hotels lebe und außer Gelegenheits-Sex und wenigen Kollegen keine Freunde habe. Aber Chrom hat mir soeben eine Nachricht hinterlassen – er hat den Kerl erwischt, aber bisher sagt der Mexikaner nicht wohin er wollte. David auch nicht. Ich habe dem obersten Gerichtshof PSE alles was ich zu dem Fall wusste gemeldet und sie beteuerten, dass ich weder Foto-, noch Videomaterial gemacht hatte. Für einen Moment hatte ich sogar geglaubt sie würden mich loben, dass ich meine Zeit im Mazda verbracht habe ohne Geld dafür zu bekommen, aber der PSE kennt nur kritisieren. Der PSE verstümmelt die angeblich verstummten Verbrecher und amputiert denen die Beine, die fliehen wollen. Wir sind nur da, um Menschen aufzuspüren, um in ihr Leben einzudringen, manchmal dauert es wenige Tage, manchmal ein paar Wochen.


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